„Totentanz“ im Deutschlandfunk

Der Deutschlandfunk sendet in der „Musikszene“ am 22. November mein Feature „Totentanz“.

Totentanz. Wenn man dieses Wort in den Raum wirft, gibt es kaum jemanden, der nicht aufhorcht. Und meistens kommt man bald auf persönliche Erlebnisse zu sprechen. Ein Besuch in der Marienkirche in Lübeck etwa, der Hinweis auf das Museum für Sepulkralkultur in Kassel oder der Hinweis, dass es in der Schweiz besonders viele und alte Darstellungen zu diesem Thema gibt.

Ich selbst habe bei einem Artikel über die deutsche Erstaufführung des „Totentanzes“ von Thomas Adès im Mai 2015 am Meininger Theater aufgemerkt. Bei meinem Besuch dort war von der unglaublich plastischen und direkten Musiksprache fasziniert, außerdem hatte ich Gelegenheit, mit dem versierten Adès-Kenner und Generalmusikdirektor Philippe Bach über das Werk zu sprechen.

Daraus entstand die Idee, ein Radiofeature zu produzieren, das sich dem Verhältnis vor allem von Kunst, aber auch von Leben, zu diesem Thema nähert. So konnte ich unter anderem einen Spaziergang mit Gerold Eppler durch die Künstlernekropole im Habichtswald bei Kassel machen, wo sich zahlreiche von Künstlern gestaltete Grabstätten befinden. Wir widmeten uns im Besonderen dem Grabmal des Künstlers Werner Ruhnau, der für seine Stätte tatsächlich eine Art Tanz entwickelt hat.

Hauptausgangspunkt für das Feature war das Totentanz-Gemälde, das sich bis 1942 in der Marienkirche in Lübeck befand. Der Kölner Kunstsammler Hartmut Kraft war von diesem, im Krieg zerstörten Bild besonders angetan. Aus den Reproduktionen in Buchform entwickelte sich unter seiner Ägide ein umfangreiches Kunstprojekt.

Besonderen Fokus legten Künstler, auch in Krafts Projekt, immer wieder auf den Schluss des Totentanzes: Der Tod nähert sich dem Wiegenkind. Das Feature erzählt, im Interview mit der Kasseler Hebamme Karin Flachmeyer am Heilhaus Kassel, besonders von der Sicht und dem Umgang mit dem irritierenden Thema des ganz frühen Todes.

Ich habe durch die Arbeit den Kontakt zu vielen Menschen mit außergewöhnlichen Persönlichkeiten und Kenntnissen gewonnen, ohne die das Feature nicht in dieser Form möglich geworden wäre. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Gespräche, dass sich der Tod nicht entkoppelt vom Leben denken lässt. Das künstlerische Gestalten, das Auseinandersetzen mit Geschichte, Gegenwart, dem Tod anderer und uns selbst beweist uns stets unsere eigene Lebendigkeit.

„Totentanz. Künstler im Reigen mit dem Knochenmann“
Dienstag, 22. November 2016
22.05 Uhr
Deutschlandfunk, Musikszene

Informationen zur Sendung auf der Seite des Deutschlandfunks