Documenta 14: Whispering Campain von Pope.L

Die Documenta 14 setzt auf viele Arten von Kunst, unter anderem auch Klang. Den Sound der Klangkunst-Installation „Whispering Campain“ des amerikanischen Künstlers Pope.L durfte ich 2017 mitgestalten.

Es flüstert in der Stadt: Die "Wispering Campain" von Pope.L auf der Documenta 14. (Foto: PR/Freddie Faulkenberry)
Es flüstert in der Stadt: Die „Wispering Campain“ von Pope.L auf der Documenta 14. (Foto: PR/Freddie Faulkenberry)

„Ein Flüstern legt sich über die Stadt“, so heißt es in diesem Sommer häufiger. Die Documenta ist in der Stadt, mit ihr zahlreiche Touristen, Künstler, Galeristen, Agenten, und Journalisten aus aller Welt. Wer von ihnen Kassel mit offenen Ohren durchstreift, der wird in diesen Tagen Merkwürdiges zu hören bekommen: Es wispert aus Lautsprechern, das Radio raunt seltsame Geschichten, und auch live wird in der ganzen Stadt geflüstert.

Die so genannte „Whispering Campain“, der sich diese Sprache im Flüsterton zuordnen lässt, stammt von dem amerikanischen Künstler Pope.L. Sie ist eine internationale Zusammenarbeit zwischen der Documenta 14, dem Freien Radio Kassel und mehreren freiberuflich Tätigen.

Eine intensive Zusammenarbeit vieler Beteiligter

In den vergangenen Monaten durfte ich als eine Art Regisseur-Assistent für das spannende Projekt tätig sein. (Besser gefällt mir in diesem Zusammenhang aber das französische Wort „réalisateur“, da es die Mischung aus Planung und Organisation, inhaltlicher Akzentuierung und technischer Umsetzung besser trifft.) Gemeinsam mit Christian Bulwien, Natascha Werner und Christoph Steinau, welche die Texte sprachen, habe ich den deutschen Teil des Konvoluts nach Angaben des Künstlers und seines Teams aufgenommen, bearbeitet und kompiliert.

Ähnlich, wie die Übersetzerin Saskia Trebing es vor Kurzem in ihrem Artikel in der HNA beschrieben hat, stellte das Projekt für mich eine enorme technische, inhaltliche und konditionelle Herausforderung dar. Denn was die Documenta-Besucher an einzelnen Standorten eher zufällig wahrnehmen, ist buchstäblich vergleichbar mit der Spitze eines Eisbergs.

Texte, die Pope.L selbst geschrieben oder zusammengestellt hat, wurden vom Amerikanischen ins Deutsche und Griechische übersetzt. Allein der deutsche Teil umfasst in der Endfassung mehrere Stunden Geflüster. Dutzende Seiten Text, der alles andere als leichtgängig zu lesen ist, einzuflüstern, war besonders für die Sprecher natürlich keine leichte Aufgabe. Dennoch wurde diese in meinen Ohren bravourös gemeistert. Durch die besonderen akustischen und organisatorischen Umstände wurde das Kunstwerk größtenteils nachts in den Studios aufgenommen.

Was ist die „Whispering Campain“ denn nun?

Die Whispering Campain ist in meiner Wahrnehmung kein reines Hörspiel und keine reine Klanginstallation, sie ist weder transitorische Kunst (wie etwa Musik) noch festgefügtes Werk, weder absolut und autark noch soziale Plastik. Doch schon während des Entstehungsprozesses hatte man mitunter das Gefühl, Teil eines allumfassenden Kunstwerks zu sein. Ein besonderes Werk, über das auch überregional schon berichtet wurde, und ich bin dankbar und auch ein bisschen stolz, dass ich „hinter den Kulissen“ mitwirken konnte.

 

In Kassel kann man dem Flüstern u.a. in der Königsgalerie, im Kulturbahnhof und im Fridericianum lauschen. Zudem wird im Freien Radio Kassel geflüstert – täglich (außer montags) von 14 bis 16 Uhr sowie von Mitternacht bis sechs Uhr morgens strahlt der Lokalsender auf der Frequenz 105,8 MHz (Kabel 97,8 MHz) und über Livestream die geflüsterten Texte aus. Außerdem wird jeden Mittwoch von 15 bis 16 Uhr im Funkhaus des FRK in der Opernstraße live vor Publikum geflüstert – direkt aus dem Sendestudio in den Äther. Die documenta-Besucher haben die Möglichkeit, die Akteure bei ihrer Performance zu beobachten und ihnen über Lautsprecher zuzuhören.